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Das Fach Deutsch am Seminar

Im Gegensatz zur universitären Ausbildung stehen am Seminar nicht fachwissenschaftliche Inhalte, sondern didaktisch-methodische Fragen im Vordergrund. So wird beispielsweise ein literarisches Werk nicht mehr in seiner kulturgeschichtlichen Bedeutsamkeit analysiert. Vielmehr wird reflektiert, mit welcher didaktischen Zielsetzung und mit welchen methodischen Verfahren es im Deutschunterricht eingsetzt werden kann.

Dieser Perspektivenwechsel setzt eine Grundbildung in der Sprach- und Literaturwissenschaft voraus, denn die dort verhandelten Inhalte kommen auch im Deutschunterricht zum Einsatz. Im Seminar werden didaktisch-metthodische Fragestellungen in der Literaturwissenschaft an den folgenden Inhalten reflektiert:

  • Epische Kleinformen wie Märchen, Fabel, Parabel und Kurzgeschichte
  • Unterscheidung der Gattungen Roman, Drama und Lyrik
  • Hermeneutische Verfahren, insbesondere eine detaillierte immanente Textexegese
  • spezfisch literaturdidaktische Verfahren wie das gestaltende Interpretieren.

In der Sprachwissenschaft sind es vornehmlich die Inhalte:

  • Rechtschreibung
  • Grammatik
  • Schreiblehre

Die für die didaktische Reflexion notwendige Grundbildung wird in der universitären Ausbildung nur in der Literaturwissenschaft in ausreichendem Maße geleistet. Die sprachwissenschaftliche Ausbildung an der Universität wird den Anforderungen an zukünftige Deutschlehrer nur begrenzt gerecht. In der Rechtschreibung sind Kenntnisse über die Prinzipien des Rechtschreibsystems erforderlich, vor allem vor dem Hintergrund der durchgeführten Reformen. Für den Grammatikunterricht benötigt der angehende Deutschlehrer fundierte Kenntnisse in der inhaltbezogenen Grammatik, also der Grammatik, die im Duden dargestellt ist. Strukturalistische Ansätze und grammatiktheoretische Überleungen haben keinen Eingang in den Alltag des Deutschunterrichts gefunden. In der Schreiblehre sind nicht nur Textsortenkenntnisse nötig. Auch Erfahrungen in Schreibprozessen sind wichtig, da der der Deutschlehrer in seiner Vorbildfunktion und in seiner korrigierenden Funktion bei Schüleraufsätzen immer selbst ein kompetenter Schreiber sein muss.

Da am Seminar die didaktisch-methodische Reflexion im Vordergrund stehen, können mögliche Defizite nur ansatzweise kompensiert werden. Der angehende Deutschlehrer sollte so früh wie möglich - also auch schon während des Studiums - selbst Sorge dafür tragen, seinen fachwissenschaftlichen Hintergrund an den Belangen des Deutschunterrichts auszurichten. Im eigenen Interesse: Der Unterrichtsalltag wird  für ihn leichter zu meistern sein.

 

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